GH Teil 2, 5/15 – 1927-1933

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1927

Stalins Vorbereitungen auf den 2. Weltkrieg beginnen

1927 ist das Jahr, in dem Stalin endgültig die Machtspitze erklommen und sich dort fest eingerichtet hat. Von diesem Augenblick an richtet sich seine Aufmerksamkeit nicht nur auf die Festigung seiner Diktatur, sie galt vielmehr auch den Problemen der ganzen kommunistischen Bewegung und der Weltrevolution.

Stalins Plan zur Ausweitung der Revolution nach Europa, den er ab dem Jahr 1924 entwickelte, orientierte sich an den Dogmen des Marxismus-Leninismus, denen zufolge Europa in einen Zweiten Weltkrieg verwickelt werden müsse, bei dem die Sowjetunion zunächst unbeteiligt ihre Neutralität wahren sollte, um dann, sobald sich die westlichen Staaten gegenseitig ausreichend geschwächt hätten, in einer großen Invasion ganz Europa zu überrennen. 1) Auf einer Sitzung des Zentralkomitees sagte Stalin im Januar 1925 – also zu einer Zeit als Hitlers NSDAP noch eine unbedeutende Kleinpartei war – die Rote Armee müsse sich auf die Situation vorbereiten, daß in den Nachbarstaaten der Sowjetunion ein neuer Weltkrieg ausbricht:

„Wenn dort der Krieg ausbricht, dann werden wir dabei nicht tatenlos zusehen. Wir werden in den Krieg ziehen, aber wir werden die letzten sein, die hineinziehen, um unser Gewicht in die Waagschale zu werfen, das Gewicht, das den Ausschlag geben wird. Deshalb lautet die Schlußfolgerung: Wir müssen auf alles vorbereitet sein, wir müssen unsere Armee vorbereiten, sie mit Stiefeln und Bekleidung ausrüsten, sie trainieren, ihre technische Ausrüstung verbessern, ihren Schutz gegen Chemiewaffen und die Luftwaffe verbessern und unsere Rote Armee insgesamt auf ein angemessenes Niveau bringen.“ 2)

Knapp drei Jahre später, im Dezember 1927, betonte Stalin unter Verweis auf Lenin erneut, daß sehr viel für den Aufbau des Kommunismus davon abhänge, „ob es uns gelingen wird, den Krieg mit der kapitalistischen Welt hinauszuzögern, der unvermeidlich ist, den man aber hinauszögern kann … bis zu dem Moment, da die Kapitalisten einander … in die Haare geraten.“ 3)

Im selben Jahr 1927 begann Stalin die Industrialisierung und Kollektivierung der Sowjetunion, die ohne Rücksicht auf zivile Verluste nur auf das Ziel ausgerichtet war, die Rote Armee zur schlagkräftigsten Streitkraft Europas zu machen und der Sowjetunion eine erdrückende militärische Überlegenheit über die westlichen Staaten zu verschaffen. Viktor Suworow schrieb hierzu in seinem sehr lesenswerten Buch „Der Eisbrecher“:

„Diese Industrialisierung war in Fünfjahresabschnitten geplant, und der erste Fünfjahrplan setzte in dem nämlichen Jahr 1927 ein. Wozu diese Fünfjahrpläne nötig waren, kann man an der folgenden Tatsache ablesen: Zu Beginn des ersten Fünfjahrplanes besaß die Rote Armee 92 Panzer, an seinem Ende über 4000 Stück. Dennoch ist die militärische Ausrichtung im ersten Fünfjahrplan nicht so augenfällig. Das Hauptinteresse gilt nicht der Rüstungsproduktion, sondern zunächst der Schaffung einer industriellen Basis, die anschließend Waffen produzieren ·wird. Der zweite Fünfjahrplan dient dem weiteren Ausbau dieser industriellen Basis. Das bedeutet die Errichtung von Kokereien, Martinofen, riesigen Elektrizitätswerken und Sauerstofffabriken, Walzstraßen und Blockwalzwerken sowie den Ausbau von Bergwerken und Erzgruben. Die Rüstungsproduktion ist vorerst nicht das Hauptanliegen, auch wenn sie von Stalin nicht vergessen wird: In den ersten beiden Fünfjahrplanen wurden 24.708 Kampfflugzeuge produziert. Doch nun kommt der dritte Fünfjahrplan, der 1942 auslaufen sollte – und er bringt die Produktion. Kriegsproduktion. In gigantischen Mengen von hoher Qualität.“ 4)

Quellen:

  1. Viktor Suworow, Der Eisbrecher, S.62
  2. Josef Stalin, Collected Works Vol. 7, S.14
  3. Josef Stalin, Werke X., S.143
  4. Viktor Suworow, Der Eisbrecher, S. 39 f.

 

1929

24. Oktober 1929 Zusammenbruch der New Yorker Börse

Das Chaos begann ziemlich genau um 11:00 Uhr. Schon seit der Eröffnung der New Yorker Börse (Stock Exchange) an diesem Donnerstag, dem 24. Oktober 1929, standen die Händler unter Druck. In den vorangegangenen Wochen hatte der Dow-Jones-Index, das wichtigste Aktienbarometer, deutlich nachgegeben – vom Allzeithoch von 381,17 Punkten am 3. September auf 305,85 Punkte am 23. Oktober. Doch es kam noch schlimmer.

In der ersten knappen Stunde an diesem Vormittag nämlich wurden schon 1,6 Millionen Aktien gehandelt, bei weiter stetig sinkenden Kursen. Viele Anleger setzten die Händler im Handelssaal des Gebäudes 11 Wall Street, Manhattan unter Druck, Firmenanteilscheine um jeden Preis loszuschlagen. Doch plötzlich, eben ziemlich genau um 11:00 Uhr, blieben die Kaufinteressenten aus. Die Kurse sackten durch.

Panik machte sich breit, und die Notierungen gaben so schnell nach, daß mehrfach Händler wegen ausbleibender offizieller Kursangaben geschätzte eigene Informationen bekannt gaben. Teilweise war die Rede von einem Verlust von bis zu 96 Punkten – was nicht stimmte, aber das Chaos weiter anheizte. Bis zum Mittag sanken nach Angaben der Abendausgabe der „New York Times“ die Kurse so weit, daß nominelle Aktienwerte von vier Milliarden Dollar verpufften. Andere Angaben kamen sogar auf 11,25 Milliarden.

Der Grund war einfach: Viele Investoren, vor allem kleine, aber durchaus auch Profis, hatten im trügerischen Vertrauen auf stetig steigende Kurse in den vergangenen Jahren Aktien auf Pump gekauft. Doch dieses Vertrauen war geschwunden, als am Wochenende zuvor mehrere Sonntagszeitungen spekuliert hatten, wegen der Kursverluste seit Anfang September könnten Banken von ihren Kreditnehmern zusätzlich zu den ohnehin verpfändeten Aktienpaketen als Sicherheiten echtes Geld verlangen.

Viele hoffnungslos durch Wertpapierkäufe verschuldete Anleger hatten keinerlei liquide Mittel mehr, um solche Forderungen zu erfüllen – sie mußten Aktienpakete verkaufen, um an Bargeld zu kommen. Das setzte eine Abwärtsspirale in Gang, die sich immer stärker beschleunigte.

In der Mittagspause verständigten sich an jenem 24. Oktober 1929 die drei führenden Geldhäuser New Yorks, die Morgan Bank, die Chase Nation Bank und die National City Bank, auf ein gemeinsames Vorgehen: Der Vizepräsident der Börse sollte mit Mitteln der Institute große Kauforders plazieren, um den Kursverfall aufzufangen.

Inzwischen hatten Gerüchte über den Zusammenbruch des Marktes zu einem Massenauflauf im und vor dem Börsengebäude geführt. Bis zu 50.000 Menschen drängten sich nach Schätzung verschiedener Zeitungen in den Straßen des südlichen Manhattan. „Der Abend“, die Spätausgabe des sozialdemokratischen „Vorwärts“, der ohnehin wenig Sympathie für das Geschehen auf den US-Aktienmärkten hatte, überschrieb die Meldung seines Korrespondenten: „Börsenlärm lauter als Glockenläuten“.

Das Eingreifen der drei Banken dämpfte die Panik vorläufig. Dennoch wurden bis 15:00 Uhr, als der offizielle Börsenhandel Schloß, fast 13 Millionen Aktien gehandelt – viermal so viel wie an einem normalen Börsentag. Die beiden nächsten Handelstage am Freitag und am Samstag brachten scheinbar eine Stabilisierung, doch am Montag und vor allem am Dienstag, dem 29. Oktober 1929, ging es fast wie im freien Fall nach unten: Der Dow Jones sank auf 230,07 Punkte – ein Minus von einem Viertel zu den schon schwachen Kursen sechs Tage zuvor und von sogar 40 Prozent gegenüber dem Allzeithoch.

Doch es kam noch schlimmer: Die Verunsicherung der Investoren und die ersten zusammenbrechenden Banken, die absehbar ihre ausgegebenen Kredite abschreiben mußten, führten zu einem Verfall des Dow Jones auf 198,69 Punkte Mitte November 1929.

Angeblich hätten die Schreie aus dem Handelssaal das Geläut der 170 Meter entfernten Trinity Church übertönt:

„Jeder Börsenposten im Saal war der Mittelpunkt einer sich wild bewegenden, schreienden Menschenmasse. Zeitweise ermattete das Geschrei der Tausenden von Stimmen, um dann nur noch mächtiger wieder anzuschwellen, wenn Gerüchte der Kursstürze sich verbreiteten.“

In Deutschland beobachtete man den Crash, machte sich aber nicht allzu viele Sorgen. Man habe keinen Grund dazu, sondern im Gegenteil glänzende Aussichten. Das linksliberale „Berliner Tageblatt“ meinte: „US-Kapital wird seinen Weg nach Europa finden“, weil die Zinsen in Deutschland nun höher seien als in New York. Der größte Vorteil werde sein, daß der Vorrang von Aktien gegenüber Anleihen zurückgehen werde.

Eine dramatische Fehleinschätzung. Denn statt weiteres Geld in Europa und vor allem in Deutschland zu investieren, zogen die reihenweise angeschlagenen US-Banken ihre kurzfristigen Mittel aus Europa ab. Unternehmen und Kommunen, die auf Pump investiert hatten, ging buchstäblich das Geld aus.

Der Historiker Hellmut Diwald schrieb über den „Schwarzen Donnerstag“ in New York: „Von den Auswirkungen dieser Weltwirtschaftskrise wurde praktisch jedes Land der Erde hart getroffen, doch für die Weimarer Republik bedeutete sie eine Katastrophe.“ 1) Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland lag Ende September 1929 bei 1.4 Millionen, im Februar 1930 waren es 3,5 Millionen. Als diese Zahl im Frühjahr 1930 nicht zurückging, hofften Reichsregierung und die Reichsbank noch lange auf eine Selbstheilung der Wirtschaft, obwohl die Arbeitslosenzahl schon Ende des Jahres mit 5 Millionen im weltweiten Vergleich auf höchstem Niveau stand. Heinrich Brüning erließ daraufhin ein Sparprogramm, wobei die öffentlichen Gehälter um 25% vermindert und die Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe stark gekürzt wurden. Im Februar 1932 standen 6,12 Millionen Arbeitslose, also 16,3% der Gesamtbevölkerung, nur 12 Millionen Beschäftigten gegenüber.

Quelle: 1) Hellmut Diwald, Geschichte der Deutschen, 1978

1932 – 1933

NSDAP wird zur größten Partei im Reichstag

Die Reichstagswahlen, bei denen Hitlers NSDAP die höchste Anzahl an Stimmen erhielt, fanden in einer Zeit des Chaos und der Krise statt. Auf den Straßen bekämpften sich NSDAP-Braunhemden und Kommunisten. Putschversuche und Aufstände linker sowie rechter Revolutionäre erschütterten das Land. Die harte Haushaltssanierung von Reichskanzler Heinrich Brüning hatte die deutsche Wirtschaft um 25% schrumpfen lassen. Die Arbeitslosenquote stieg auf 30% und die Selbstmordrate erreichte einen Rekordhöchststand. Die sich immer wieder anbahnende wirtschaftliche Gesundung der Weimarer Republik war durch ins Grenzenlose gesteigerte Wiedergutmachungs-Ansprüche der Siegerstaaten ständig zerstört worden. Dadurch erklärten sich auch die rasch aufeinanderfolgenden Regierungswechsel in Berlin, vor Hitlers Machtübernahme 20 an der Zahl. Die Regierung wechselte von 1918 bis 1933 also mehr als ein Mal pro Jahr. Jede neue Regierung versuchte, die begründeten deutschen Wünsche, die Umsetzung des Versailler Vertrags erträglicher zu gestalten, darzulegen, wurde aber unverzüglich mit einem „Nein“ der Siegermächte abgewiesen.

Wahlergebnisse der NSDAP 1932-1933

Wahl 14. September 1930 31. Juli 1932 6. November 1932 5. März 1933
Prozent 18,3 % 37,4 % 33,1 % 43,9 %

 

Januar 1933 – Hitler wird zum Reichskanzler ernannt

Die Armut und der rote Terror ermöglichen seinen Aufstieg

Um Hitlers Aufstieg zu verstehen, muß man sich die allgegenwärtige, nachvollziehbare Angst vor den kommunistischen Revolutionären in ganz Europa vor Augen führen. Sie hatten von 1918 bis zu Hitlers Wahl 1933 Millionen unschuldige Todesopfer in der Sowjetunion zu verantworten. Die sowjetische Regierung unter Wladimir Lenin hatte schon am 02.01.1922 statistisches Material veröffentlicht, wonach nach offiziellen Angaben innerhalb von vier Jahren 1.766.118 politische Gegner ermordet worden waren. 1) Unter diesen Opfern hatten sich mehrheitlich Zivilisten (Lehrer, Ärzte, Intellektuelle, Priester, Arbeiter usw.) befunden. Zum Vergleich: Im Ersten Weltkrieg hatten 1,85 Millionen russische Soldaten ihr Leben verloren.

In der Ukraine waren dann 1932/33 etwa sieben Millionen unschuldige Bauern (Frauen, Kinder, Alte) zu Tode gehungert worden.

Beim Holodomor (auch „Hungerholocaust“ genannt) handelte es sich um eine bewußt und systematisch herbeigeführte Hungersnot. Den meisten Einschätzungen zufolge starben während dieser bolschewistischen Zwangskollektivierung der Landwirtschaft in der Ukraine rund sieben Millionen Menschen (davon drei Millionen Kinder) in den Jahren 1932/33. Einige Historiker, wie Robert Conquest, beziffern die Gesamtopferzahl auf bis zu 14,5 Millionen Menschen. Die Angst der deutschen Bevölkerung – die Schrecken der alliierten Hungerblockade noch im Gedächtnis -, eine solche Hölle könne auch über sie hereinbrechen, half Hitler bei der Machtübernahme und -ausweitung. 2)

Die Wahlentscheidung für Hitlers antikommunistische NSDAP ergab sich also zum Großteil aus der Furcht vor der im Osten lauernden roten Gefahr.

Am 30. Januar 1933 ernannte Reichspräsident Paul von Hindenburg NSDAP-Führer AdolfHitler zum deutschen Reichskanzler. Nach einer langen Krisenphase 1932: Abtransport der Ernte durch sogenannte „Rote Züge“ in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft war die Weimarer Republik von 1930 bis 1933 mit Notverordnungen regiert worden. Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht gelangten, übernahmen sie ein morsches Gebilde, das schon längst aufgehört hatte, eine funktionierende Demokratie zu sein. Viele verzweifelte Deutsche sahen in Hitler die einzige Möglichkeit, die Kommunisten davon abzuhalten, dieses Chaos für eine Machtübernahme auszunutzen. Hindenburgs Ernennung Hitlers zum Reichskanzler geschah mit der Erklärung, man wolle das Land vor dem Kommunismus schützen. Gleich nach Hitlers Machtantritt folgte eine groß angelegte Kampagne der Kommunisten gegen ihn. Allerdings waren die Kommunisten, wohl kaum zu Unrecht, bei einem großen Teil der Bevölkerung gefürchtet, was der NSDAP bei der nächsten Wahl im März 1933 weitere Zugewinne bescherte.

Zudem war in den Notzeiten nach dem Versailler Vertrag in allen Kreisen der deutschen Bevölkerung die Sehnsucht und das Verlangen nach einer grundlegenden Änderung, Besserung und Gesundung vorhanden; das galt für die Betriebe der Industrie ebenso wie für den kaufmännischen und handwerklichen Mittelstand und für die Millionen arbeitslosen, ausgesperrten und aussichtslos mit Plakaten und Streiks protestierenden Arbeiter. Für sie alle schienen die Parteipunkte der NSDAP und damit Hitler eine Alternative zu bieten, denn sowohl die bisherige Politik der Weimarer Republik als auch der Kommunismus (in Rußland) waren nachvollziehbarerweise in ihren Augen gescheitert. Will man heute, aus weiter zeitlicher Distanz ein neutrales Urteil über Hitlers Machtergreifung in Deutschland fällen, sollte man den Ersten Weltkrieg und die katastrophalen Jahre der Weimarer Republik berücksichtigen. Dabei pauschal die Kriegslust und Obrigkeitshörigkeit der Deutschen für Hitlers Aufstieg verantwortlich zu machen, greift zu kurz und analysiert die damalige Gemengelage nur sehr oberflächlich.

Opferzahlen des Kommunismus 2)

Staat Tote
China 65 Millionen
Sowjetunion 30 Millionen
Nordkorea 2 Millionen
Kambodscha 2 Millionen
Afrika 1,7 Millionen
Afghanistan 2 Millionen
Osteuropa 1 Million
Lateinamerika 150.000

 

 

Quellen:

  1. 1.Junge Freiheit 52/11-01112, S. 21, „Historisches Kalenderblatt“
  2. http://freieukraine-braunschweig.de/wp-content/uploads/2016/08/Holodomor-1.pdf
  3. Gunnar Heinsohn: Lexikon der Völkermorde, 1998, S. 244
  4. Der Spiegel Nr. 21/1996 20.05.1996
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