GH Teil 2, 2/15 – 1920-1923

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1920

Moskaus Invasion in Polen zur Ausweitung des kommunistischen Machtbereichs

Den Zusammenbruch des deutschen Kaiserreichs wollte Lenin für die Ausweitung der kommunistischen Revolution nach Mitteleuropa nutzen, weshalb er im Jahr 1920 der Roten Armee unter dem Befehl von Marschall Michail Tuchatschewski den Befehl gab, durch Polen nach Deutschland vorzustoßen um dort den gewaltsamen Klassenkampf zu entfachen. Diesen Vorstoß bezeichnete GRU-Überläufer Suworow als den ersten Versuch, „den Zweiten Weltkrieg zu entfesseln“ und er wurde, wie Suworow ausdrücklich betonte, von den Sowjets unternommen.

Der Revolutionäre Kriegsrat Sowjetrußlands gab im Juli 1920 eine Proklamation an die Rote Armee heraus, welche die Zielsetzung der Kommunisten klar zum Ausdruck brachte: „Im Westen wird das Schicksal der Weltrevolution entschieden. Über der Leiche Weißpolens verläuft die Straße zum Weltenbrand. Auf Bajonetten werden wir der werktätigen Menschheit Frieden und Glück bringen.“ 1)

Doch schon im August 1910 wurde Tuchatschewskis Angriff in der Schlacht an der Weichsel durch die polnische Armee zerschlagen. Drei Jahre später beschrieb Tuchatschewski seinen gescheiterten Versuch, den Kommunismus nach Europa zu bringen mit den Worten:

“Es unterliegt keinem Zweifel, daß der ganze europäische Kontinent von den Flammen der Revolution erfaßt worden wäre, wenn wir an der Weichsel gesiegt hätten … Dieser Brand wäre nicht auf Polen begrenzt geblieben. Seine Flammen hätten ganz Westeuropa erfaßt.“ 2)

Tuchatschewski gab damals auch erstaunlich offen zu verstehen, welchen unvorstellbar blutigen Klassenkampf die Völker Europas erlitten hätten, wenn der Roten Armee der militärische Durchbruch nach Deutschland gelungen wäre, denn  „die Vernichtung der feindlichen Armee“ bedeutet laut Tuchatschewski nicht etwa das Ende, sondern „nur den Anfang des Krieges, das Ziel des Krieges besteht darin, die freie Anwendung von Gewalt zu ermöglichen.“ 3)

Was das dann für die Zivilbevölkerung bedeutet hätte, hatte Tuchatschewski bereits in den Jahren zuvor während des russischen Bürgerkriegs unter Beweis gestellt.

Quellen:

  1. wikipedia.org, Polnisch-Sowjetischer Krieg
  2. Viktor Suworow, Stalins verhinderter Erstschlag S.46
  3. Der letzte Mythos – Wer entfesselte den 2.Weltkrieg?, Filmdokumentation

 

1923

Die Hyperinflation löscht den Mittelstand aus

Die Weimarer Republik war im Jahr 1923 von einer Hyperinflation und damit einer galoppierenden Teuerungsrate der deutschen Währung betroffen.

Verlauf: Im Januar 1922 zahlte man für einen Dollar 200 Mark, im Juli = 500, im Januar 1923 = 18.000 Mark, im Juli 1923 = 350.000, im August 1923 =viereinhalb Millionen, im September fast 100 Millionen, im Oktober 25 Milliarden und am 15. November 1923 = 4,2 Billionen.

So wurden die Sparvermögen Millionen Deutscher innerhalb kürzester Zeit vernichtet. Rentner und Sparer verloren ihr Vermögen, Massenarmut war die Folge. Ein braunschweigisches Schulbuch aus dem Jahr 1929 stellt fest: „Der größte Inflationsgewinnler aber war die Großindustrie. Mit geliehenem Gelde, das bei Rückzahlung fast wertlos war, kaufte sie alles auf, was an industriellen Unternehmungen zu haben war. Diese vereinigten Unternehmungen wurden zu Trusten und Konzernen zusammengeschlossen und bilden heute im Wirtschaftsleben eine gewaltige Macht.“ 1) Für diese „Gewinnler“ mögen die Zwanziger-Jahre „golden“ gewesen sein, aber nicht für die Kleinunternehmer und Arbeitnehmer.

Fast drei Millionen deutsche Soldaten kehren dauerhaft kriegsbeschädigt von der Front zurück. Die Versehrten, Amputierten, Blinden und Entstellten prägen das Straßenbild.

Die Lage der Kriegsversehrten und Kriegshinterbliebenen ist desolat, die staatliche Unterstützung äußerst mangelhaft. Auf das Heer der Kriegsbeschädigten ist die gesetzliche Fürsorge nicht eingerichtet. Die Versorgung der heimkehrenden Soldaten richtet sich nach ihrem erreichten Dienstgrad, von sozialer Gerechtigkeit kann keine Rede sein.

Die Renten sind noch an den Lebensverhältnissen der Vorkriegsjahre orientiert. Die Fürsorge liegt sowohl bei Ländern und Gemeinden wie auch bei privaten Wohlfahrtseinrichtungen. Hier eine einheitliche und gerechtere Versorgung zu schaffen, wird zur dringenden sozialen Aufgabe.

Quelle: Geschichtsbilder, Braunschweig 1929, S.152 f.

 

November 1923 – Das Scheitern des „Deutschen Oktobers“

Die Sowjets ließen sich von ihrer Niederlage gegen Polen nicht von ihrem Plan abbringen, den roten Massenmord auf Deutschland und Europa auszuweiten, denn schon im Herbst 1923 auf dem Höhepunkt der Weimarer Staatskrise wurde der nächste Versuch unternommen, die Weimarer Republik in einen kommunistischen Bürgerkrieg zu stürzen. Wie Boris Baschanow, der im Jahr 1928 nach Frankreich geflohene Sekretär Stalins, berichtete, fand Ende September 1923 eine geheime Sitzung des sowjetischen Politbüros statt, in der das Datum für den kommunistischen Umsturz in Deutschland festgelegt wurde: Der „Deutsche Oktober“ sollte auf Betreiben Trotzkis am 9. November 1923 ausbrechen. 1)

Zur Vorbereitung der deutschen Revolution wurde Josef Unschlicht, der Vizevorsitzende der Geheimpolizei Tscheka und Stellvertreter Trotzkis im Revolutionären Kriegsrat war, illegal nach Deutschland eingeschleust, um die Untergrundarbeit der deutschen Kommunisten zu koordinieren und die Bildung der kommunistischen Streitkräfte in Deutschland zu überwachen. 2) Wie Baschanow erklärte, entfiel auf Unschlicht „die Organisation von Abteilungen des bewaffneten Aufstandes für den Umsturz, ihre Rekrutierung und Versorgung mit Waffen. Außerdem sollte er eine deutsche Tscheka zur Vernichtung der Bourgeoisie und der Revolutionsgegner nach dem Umsturz aufstellen.“ 3)

Bereits lange vor der geplanten Revolution hatte der Kreml keine Mühen und Kosten gescheut, Deutschland für den Umsturz zu präparieren. Die Entscheidung über einen kommunistischen Revolutionsversuch fiel in Moskau. Zahlreiche Streiks gegen die rechtsgerichtete Regierung Wilhelm Cunos (Cuno-Streiks) schienen der Beginn revolutionärer Ereignisse zu sein. Der Vorsitzende der Komintern Grigori Sinowjew wies die KPD am 15. August 1923 an, sich auf eine herannahende revolutionäre Krise vorzubereiten. Dem stimmte Leo Trotzki ausdrücklich zu. Am 23. August 1923 kam es zu einer geheimen Sitzung des Politbüros der Kommunistischen Partei Rußlands. Auch der Deutschland-Experte Karl Radek befürwortete dort ein offensives Vorgehen. Skeptisch zeigte sich Josef Stalin. Das Kalkül hinter dem Plan: Nach einem Sieg der KPD würde das hoch industrialisierte „Sowjetdeutschland“, so kalkulierte man in Moskau, den wirtschaftlichen Aufbau der noch überwiegend agrarischen Sowjetunion unterstützen. 4) Der schwerkranke Lenin spielte dabei schon keine Rolle mehr. Am Ende der Sitzung wurde eine Kommission des ZK aus vier Mitgliedern gebildet und umgehend unter falschen Identitäten zur illegalen Arbeit nach Deutschland geschickt. Die Mitglieder waren Radek, Unschlicht, Wassili Schmidt und Pjatakow. Radek sollte im Sinne Moskaus auf das ZK der KPD einwirken, Schmidt als Organisator der revolutionären Zellen innerhalb der deutschen Gewerkschaften fungieren, auf Pjatakow entfiel die allgemeine Koordination und Verbindung mit Moskau, und Unschlicht war verantwortlich für paramilitärische Belange sowie für die Bildung einer deutschen Tscheka für die Zeit nach dem Umsturz. 5) Ihre Untergrundarbeit inoffiziell unterstützen sollte auch der sowjetische Botschafter in Berlin, Nikolai Krestinski. Dieser war für die Verwaltung der geheimen Gelder (400.000 US-Dollar) zur Vorbereitung des Deutschen Oktober verantwortlich. 6)

Doch die kommunistische Revolution kam nicht wie geplant zum Ausbruch. Ein wesentlicher Grund für das Scheitern des „Deutschen Oktobers“ lag in der beginnenden Zwietracht an der Spitze der kommunistischen Bewegung, denn nachdem sich Lenin aufgrund mehrerer Schlaganfälle im Jahr 1922 aus der Politik zurückziehen mußte, setzte in Moskau ein erbitterter Machtkampf ein, den Stalin letztlich für sich entscheiden konnte, nachdem er Trotzki ins Exil gezwungen und den sowjetischen Staatsapparat von politischen Gegnern „gesäubert“ hatte.

Quellen:

  1. Viktor Suworow, Stalins verhinderter Erstschlag S.47 f.
  2. wikipedia.org, Josef Unschlicht
  3. Boris Baschanow, Ich war Stalins Sekretär, S. 58
  4. Reinhard Sturm: Kampf um die Republik 1919 – 1923
  5. Baschanow, Boris: Ich war Stalins Sekretär, Ullstein 1982, S. 58
  6. Volker Ullrich: Der Aufstand, der nicht stattfand – Die Zeit, 11. Dezember 2003.
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